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Belize
Belize

Geschichte von Belize


Auf seiner vierten Reise segelte Kolumbus an der mittelamerikanischen Küste entlang. Er benannte die Bucht am südlichen Ende des belizianischen Barriereriffs Bucht von Honduras.

 

Nach dem Niedergang der Maya-Städte in Belize und gelegentlichen spanischen Eroberungszügen (entradas) besetzten im 17. Jahrhundert vor allem britische Siedler, die so genannten Baymen, und ihre schwarzen Sklaven aus der Karibik das Territorium.

Die neuen Bewohner waren an den reichen Waldbeständen im Hinterland interessiert, vor allem an Mahagoni und an Blauholz, das damals in europäischen Fabriken zum Färben von Baumwolle sehr begehrt war.

Diese Holzfäller gründeten die erste Kolonie auf St. George's Caye, einer Insel des Barrier Reef. Etwas später errichtete man eine größere Siedlung an der Mündung des Belize River, an der Stelle des heutigen Belize City.

 

1765 verabschiedete Admiral Sir William Burnaby, der Kommandant der englischen Flotte auf Jamaika, die erste Verfassung für das Gebiet. Der Burnaby's Code war viele Jahre lang die Grundlage für Gesetz und Verwaltung in Belize, bis 1787 der erste britische Verwaltungsbeamte ernannt wurde.

Zwei weitere Wellen mit Immigranten am Ende des 18. Jahrhunderts veränderten den Charakter der Bevölkerung nachhaltig. Zuerst übersiedelte man mehr als 2000 Schwarze von der Mosquito Küste in Honduras und Nicaragua.

Dann deportierte man 1797 die Garifuna, ein aus schwarzen Sklaven und karibischen Indigenas hervorgegangenes Mischvolk, von der Insel St. Vincent nach Belize. Seit damals etablierten sie sich zu einer starken und individuellen ethnischen Gruppe im Süden des Landes.

 

Während des 17. und 18. Jahrhunderts war das Verhältnis der Belizianer zu den spanischen Gouverneuren in Guatemala meist recht gespannt, da britische Piraten die geschützten Buchten Belizes als Ausgangshäfen für ihre Beutezüge auf spanische Handelsschiffe nutzten.

Eine Entscheidung brachte am 10. September 1798 die Seeschlacht von St. George's Caye, in der die spanische Flotte vernichtend geschlagen wurde. Nach dem Sieg fühlten sich die Siedler zum British Empire gehörig, obwohl British Honduras offiziell noch nicht existierte. 1802 erkannte Spanien mit dem Treaty of Amiens endgültig die englische Souveränität über das Gebiet an. Als Mexiko und Guatemala 1821 ihre Unabhängigkeit von Spanien erlangten, erhoben beide Anspruch auf das dünn besiedelte Land.

 

Kampf um die Unabhängigkeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Einwohner von Belize um einen eigenen, von Großbritannien unabhängigen Staat zu kämpfen. 1950 gründete George Price die People's United Party (PUP), die nach der Einführung des allgemeinen Wahlrechts 1954 und 1957 die Mehrheit bei den Wahlen zu den gesetzgebenden Körperschaften gewann. Price wurde der erste Premierminister der Kolonie und übte dieses Amt auch nach der garantierten Selbstverwaltung 1964 aus. Die PUP setzte sich damals mit Nachdruck für die Unabhängigkeit von Großbritannien ein.

 

Hurrikan Hattie und die Gründung Belmopans

Am 31. Oktober 1961 verwüstete der Hurrikan Hattie Belize und weitere Staaten Mittelamerikas. Besonders stark betroffen war Belize City, die Hauptstadt an der Küste seit dem 18. Jahrhundert. Hattie forderte Hunderte von Todesopfern und richtete einen Sachschaden von vielen Millionen US-Dollar an. Die Regierung entschied die Gründung einer neuen Hauptstadt, weit weg vom Meer und deshalb weniger von Hurrikanen bedroht. Als Namen für die neue Stadt wählte man Belmopan, aus „Bel“ für Belize und „Mopán“, zu Ehren der Maya-Gruppe, der den spanischen Konquistatoren widerstand.

Bis 1970 wurden sämtliche Amtsgebäude, einschließlich des Polizeihauptquartiers und des Kongresses, errichtet. Der englischen Firma zufolge, die die Mehrzahl der Bauten ausführte, orientierte man sich bei der äußeren Gestaltung an die klassische Maya-Architektur. So wird etwa die betongraue National Assembly von Regierungsgebäuden flankiert, und ihr Eingang ist von einem lang gestreckten begrünten Platz über eine Flucht breiter Stufen erreichbar.

Belmopan mit seinen heute ca. 6000 Einwohnern wurde bald zum Symbol eines neuen unabhängigen Belize, obwohl man über Jahre hinweg an der Entwicklung zu einer blühenden, wirklich belebten Stadt kämpfte.

 

Regierungswechsel nach der Unabhängigkeit

Die Unabhängigkeit von Großbritannien wurde endlich 1981 erreicht, und wieder wurde George Price zum Premierminister des neu gegründeten Staates gewählt. Erst 1984 wurde die Dominanz der PUP in der Politik Belizes gebrochen. In diesem Jahr gewann die United Democratic Party (UDP) die Wahlen zur Legislative. Ihr Anführer Manuel Esquivel löste Price im Amt ab.

Aber Esquivel und die UDP erwiesen sich als unfähig, die Wirtschaft des Landes voranzubringen, und 1989 übernahm die PUP mit knapper Mehrheit abermals die Macht. Ein weiterer Regierungswechsel kam 1993 zustande, als die UDP wieder die meisten der 29 Sitze im House of Representatives besetzte.

 

 

Erdrutschsieg

Wieder einmal waren die Belizer mit der Politik der UDP, die ihre Versprechen nicht einlösen konnte, unzufrieden. Zu den nächsten Wahlen 1998 warf die PUP der Regierung die Einführung von so genannten killa taxes vor, einschließlich einer 15-prozentigen Mehrwertsteuer, die, so sagte man, den freien Unternehmergeist ersticken würde. Für die Wähler war es Zeit zur PUP zurückzukehren, die 26 der 29 Sitze erlangte. Dieser überwältigende Sieg brachte Said Wilbert Musa als dritten Premierminister Belizes an die Macht.

2003 konnte Musa mit der PUP seinen Wahlerfolg von 1998 wiederholen.

Die Wahl Musas ist das Ergebnis einer starken palästinensisch-arabischen Gruppierung im Geschäftssektor des Landes. Er selbst kehrte 1968 nach seinem Studium im Ausland nach Belize zurück - und mit ihm viele neue frische Ideen. Nachdem er 1969 das People's Action Comittee gründete, schloss er sich bald darauf der PUP an. Vor den Präsidentschaftswahlen gelobte er die Arbeitslosigkeit zu reduzieren und die Steuern zu senken. Seit damals versucht er seine Partei als moderne Kraft in Belize zu präsentieren, die neue Wege für eine Diversifizierung der Wirtschaft einschlägt und auf politische Integrität setzt.

Nach der Wahl 2003 kam es zu dramatischen Korruptionsfällen innerhalb der Musa Administration. Parallel dazu eilte die Auslandsverschuldung von einer neuen Rekordhöhe zur nächsten. Steuererhöhungen, steigende Strom- und Benzinpreise lösten Anfang 2005 landesweite Streiks und Unruhen aus. Diese Aktionen waren aber nicht so stark, um das Ziel, die Musa – Regierung zum Rücktritt zu zwingen, zu erreichen.

Am 1. März 2006 fanden in den 9 größten Städten des Landes Kommunalwahlen statt. Dabei trat in Belmopan erstmals eine 3. Partei in den Ring, die VIP. In allen anderen Städten waren die üblichen Farben gelistet: ROT – UDP, BLAU – PUP und hier und dort einige unabhängige Kandidaten.

Die oppositionelle UDP gewann alle Wahlbezirke mit durchschnittlich 20% Vorsprung vor der PUP, ein deutliches Zeichen des Unmutes der Bevölkerung aus allen Landesteilen an Musa.

 

Doppelte Staatsbürgerschaft und Flüchtlinge

Nach dem Abzug der britischen Truppen flammte 1994 der alte Streit mit Guatemala um die Souveränität des Landes erneut auf, den man nun mit bilateralen Verhandlungen endgültig beilegen will.

Eine weitere kontrovers behandelte Frage der letzten Jahre war die Bewilligung des economic citizenship für Menschen aus Hongkong, Taiwan und anderen Staaten außerhalb Mittelamerikas. Sie gewährte Einwohnern dieser Länder die doppelte Staatsbürgerschaft und Landerwerb bei der Entrichtung einer hohen Gebühr in US-Dollar.

Einen grundlegenderen Wandel der Gesellschaft brachten jedoch die Bürgerkriege in Guatemala und in EI Salvador mit sich. Tausende von Menschen flüchteten nach Belize, wo sich viele von ihnen niederließen. Diese Veränderung spiegelte sich auch in der Volkszählung 1991 wider: Erstmals gab es in der Geschichte des Landes mehr spanisch- als englischsprachige Staatsbürger. Die Politiker realisieren allmählich, dass Belize in Zukunft vielleicht mehr mit den übrigen Ländern des festländischen Mittelamerika verbindet als mit den englischsprachigen Inseln der Karibik.