Belize City - die heimliche Hauptstadt
Der versteckte Charme der größten, überwiegend aus Holz gebauten Stadt erschließt sich vor allem in dem bunten abwechslungsreichen Straßenleben: manchal etwas chaotisch, aber unverkennbar typisch karibisch.
Die ethnisch ganz gewiss vielfältigste Stadt des Mundo Maya ist Belize City, mit etwa 75.000 Einwohnern die größte Stadt des Landes. Hier treffen sich Kreolen, Garifuna, Chinesen, Inder, Araber, Mennoniten und Touristen aus aller Welt. Die Mehrzahl der Häuser sind aus Holz und viele stehen noch auf Pfählen, Reminiszenz an eine Zeit, als die Stadt noch regelmäßig von Hochwasser überflutet wurde. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch, doch machen frische Meeresbrisen die Hitze meist erträglich.
Geschichte
Im 17.Jahrhundert ließen sich britische Baymen mehrheitlich ehemalige Piraten an der Bay of Honduras nieder. Sie siedelten sich zusammen mit Händlern zuerst auf der St. George's Caye an, einer kleinen moskitofreien Insel vor der Küste. Später, Anfang des 18.Jahrhunderts, gründeten sie eine weitere Kolonie an der Mündung des Belize River, aus der sich Belize City, die bedeutendste Stadt des Landes, entwickelte. Die Siedlungen wurden wiederholt von Spaniern angegriffen, 1779 sogar von ihnen geplündert. In der Folgezeit unterstützte die britische Krone die Baymen in verstärktem Maße, indem sie ihnen das Kriegsschiff »Marlin« zur Seite stellte. Bei einem erneuten Angriff kam es 1798 zur berühmten Seeschlacht bei St. George's Caye, in der man die Spanier vernichtend schlug.
Die Stadt wuchs mit dem Holzhandel: Aus Blauholzbäume gewann man einen in Europa begehrten Farbstoff, später schlug man weiter landeinwärts kostbares Mahagoni. Im Lauf des 19. Jahrhunderts bildeten sich jene städtischen Strukturen heraus, die sich auch heute noch erkennen lassen: Die Viertel der wohlhabenderen Kaufleute liegen im Zentrum, in der Nähe der Küste und zu beiden Seiten des Haulover Creek, während sich die Mehrzahl der ärmeren, meist schwarzen Bevölkerung ihre Häuser außerhalb in den Bezirken Queen Charlotte Town, Yarborough und Frechman Town bauten.
Belize City war die Hauptstadt des Landes, ehe 1961 Hurrikan Hattie, der bis dahin schwerste in einer Reihe mehrerer Wirbelstürme, hunderte Menschenleben forderte und etwa ein Drittel der Gebäude völlig zerstörte. Für die obdachlos gewordenen Bewohner errichtete man weiter landeinwärts am Western Highway den Ort Hattieville, Regierung und Ministerien zogen in das neu gegründete Belmopan.
Ein Großteil der Touristen besucht Belize City auf Grund der Kleinkriminalität nur auf der Durchreise, auf dem Weg zu den Naturschutzgebieten und Maya-Stätten im Landesinneren oder als Ausgangspunkt für Fahrten zu den Cayes. Doch ist die Stadt einen Aufenthalt wert, wenn auch nur für ein oder zwei Tage. Belize City ist weiterhin das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes, und trotz Hurrikanen, Bränden und Seuchen, die die Stadt in der Vergangenheit heimsuchten, verspürt man stets den typisch karibischen Charme.
Belize City – ein kurzer Stadtrundgang

Die Swing Bridge ist das Herz der Stadt, die wichtigste der drei Brücken über den Haulover Creek, die die Queen Street auf der North Side mit der Albert Street auf der South Side verbindet. Der Name Haulover kommt angeblich davon, dass die ersten Siedler vor dem Bau der Brücke das Vieh buchstäblich über den schmalen Fluss zerren mussten. Die im englischen Liverpool gefertigte Swing Bridge nahm 1923 ihren Betrieb auf und überstand alle Hurrikane unbeschadet. Das gusseiserne Wahrzeichen der Stadt ist die einzige erhaltene Drehbrücke der Welt, die heute noch per Hand geöffnet und geschlossen wird. Zweimal am Tag, morgens um 5.30 Uhr und spätnachmittags um 17.30 Uhr, erlaubt sie Schiffen für 15 Minuten die Fahrt flussaufwärts.
Unmittelbar am Hafen an der North Front Street widmet sich das Maritime Museum der jahrhundertelangen Verbindung Belizes mit dem Meer (Mo- Sa 8-17 Uhr). Das Museum, das an der Stelle einer ehemaligen Feuerwache errichtet wurde, beherbergt alte Boote und nostalgische maritime Gerätschaften, des Weiteren ein Aquarium, Schautafeln zur Geografie der Küste und zur Unterwasserwelt sowie ein eindrucksvolles dreidimensionales Modell des ganzen Barrier Reef.
Ein Café und ein kleines Geschäft laden zum Verweilen und Relaxen ein. Vor dem Gebäude am Marine Terminal ankern stets bunt gestrichene Fischkutter und Schnellboote, die Passagiere zu den Cayes bringen.
Gegenüber dem Maritime Museum an der Ecke zur Queen Street erhebt sich eines der größten Holzgebäude der Stadt, das Paslow Building, in dem heute das Amtsgericht und das Hauptpostamt untergebracht sind. Das dreistöckige gelbe Haus aus dem frühen 19. Jahrhundert wurde nach dem einflussreichen Belizer irischer Abstammung Thomas Paslow benannt, der mit einer Kreolin verheiratet war und in der Stadt eine gewichtige Rolle spielte. Der als grausamer Sklavenhalter berüchtigte Großgrundbesitzer trug wesentlich zum Sieg über die Spanier in der Seeschlacht bei St. George's Caye 1798 bei.
Wenige Schritte vom Maritime Museum, an der 91 North Front Street, liegt die Image Factory, eine art gallery, die von Yasser Musa, einem der meistgelesenen Schriftsteller Belizes, geleitet wird und zeitgenössische Künstler ausstellt (Mo-Fr 9-18 Uhr).
Zwischen der North Park Street und der neuen Uferstraße Marine Parade liegt der Memorial Park, umgeben von mehreren stattlichen Gebäuden. Er erinnert an den Sieg der Briten in der Seeschlacht bei St. George's Caye. Der Park war Schauplatz zahlreicher historischer Ereignisse, einschließlich lautstarker Kundgebungen für die Unabhängigkeit in den 1950er Jahren und der feierlichen Verkündigung der Unabhängigkeit 1981. Auf einer Bühne und in einem Pavillon finden hier in unregelmäßigen Abständen Musikveranstaltungen statt, insbesondere während der Ferienzeit im September. Von den Kolonialbauten aus Holz ist die Mexikanische Botschaft eine der schönsten, die in der Nacht mit den mexikanischen Nationalfarben angestrahlt wird.
Am Ende der Uferstraße errichtete man an der Landspitze das Fort George Lighthouse, einen weißen Leuchtturm, den man aus dem Nachlass des Baron Bliss finanzierte. An den großzügigen Stifter erinnert das Baron Bliss Memorial, in dem
dieser 1958 seine letzte Ruhestätte fand.



